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Flüchtlinge: BDÜ warnt vor Überforderung ehrenamtlicher Dolmetscher

Die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland steigt. Überall suchen Gemeinden und Organisationen ehrenamtliche Helfer, so auch Bürger, die als Dolmetscher fungieren können. Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) hat großes Verständnis für das Anliegen, schnell helfen zu wollen. Doch warnt er davor, Ehrenamtler zu überfordern. "Das Dolmetschen für Flüchtlinge, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden, kann ehrenamtliche Helfer belasten", so André Lindemann, Präsident des BDÜ. "Ehrenamtler sollten nicht ohne entsprechende Vor- und Nachbereitung für Flüchtlinge dolmetschen." Man müsse außerdem die Grenzen des Ehrenamts erkennen. "Es muss klar sein, dass für bestimmte Situationen nur professionelle Dolmetscher herangezogen werden sollten." Dies sei insbesondere im medizinischen und juristischen Bereich der Fall.

Lindemann: "Wenn es beim Arztbesuch um schwierige Diagnosen oder ernsthafte Erkrankungen geht, sollte es selbstverständlich sein, mit ausgebildeten Dolmetschern zusammenzuarbeiten. Es ist wichtig sicherzustellen, dass die Qualität der Verdolmetschung stimmt und die Kommunikation in allen Details funktioniert." Zum anderen gehe es auch darum, ehrenamtliche Dolmetscher davor zu schützen, in überfordernde Situationen zu geraten. So sei zum Beispiel das Dolmetschen von Therapiesitzungen eindeutig ein Feld für professionelle Dolmetscher. Diese haben nicht nur das nötige Fachwissen erlernt. Sie beherrschen auch Techniken und Methoden, die es ihnen ermöglichen, im Gespräch neutral zu bleiben und sich im positiven Sinne vom Gehörten abzugrenzen.

Auch juristische Gespräche sind nach Ansicht des BDÜ-Präsidenten ein Fall für ausgebildete juristische Sprachmittler, die - so wie auch die medizinischen Dolmetscher - für ihre Arbeit ein angemessenes Honorar erhalten sollten. "Wenn es zum Beispiel um Sachverhalte geht, die ausländerrechtlich von Bedeutung sind, sollten ausschließlich Profis dolmetschen." Der Verband beobachtet deshalb auch mit gemischten Gefühlen, dass viele Gemeinden vermehrt so genannte "Dolmetscherpools" mit ehrenamtlichen Laiendolmetschern aufbauen. "Wir verstehen das Anliegen. Doch die Qualität der Verdolmetschung muss sichergestellt sein und die ehrenamtlichen Dolmetscher dürfen nicht in Situationen geraten, in denen die engagierte Hilfe zu einer Überforderung führt", mahnt Lindemann. "Der Einsatz von professionellen Dolmetschern ist für Gespräche jenseits von einfachen Alltagssituationen unverzichtbar. Die Grenzen des Ehrenamts und der Schutz der Helfer vor psychischen Belastungen sind bei der Planung und Kalkulation von Dolmetscherpools zu berücksichtigen."

Quelle: Pressemitteilung des BDÜ vom 11.3.2015


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