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Literaturübersetzerverband: Mitglieder nehmen Vergütungsregeln an

Die Mitglieder des VdÜ, des Verbandes der Literaturübersetzer, haben am 29. März 2014 auf ihrer außerordentlichen Mitgliederversammlung den mit einer Gruppe von Verlagen ausgehandelten Vorschlag für eine Gemeinsame Vergütungsregel (GVR) mit deutlicher Mehrheit angenommen. Die GVR ist am 1. April 2014 in Kraft getreten. Die Vergütungsregel ist eine Umsetzung der Forderung der Urheberrechtsnovelle von 2002 nach gemeinsamen Regeln von Urhebern und Verwertern für eine angemessene Mindestvergütung im Bereich Literaturübersetzungen.

 

Zugleich haben die Mitglieder den Verbandsgremien des VdÜ aufgetragen, weitere Verlage zur Mitwirkung an der GVR zu gewinnen. Vergütungsregeln zweiter Klasse für Verträge mit Konzernverlagen dürfe es dabei nicht geben, so die Mitgliederversammlung.  Bislang haben nur Verlage ohne eigene Taschenbuchverwertung die Regeln unterzeichnet: Hanser in München und Berlin, Nagel & Kimche, Frankfurter Verlagsanstalt, Hoffmann & Campe Verlag, Marebuch, Schöffling und Wallstein.

 

Was Übersetzer und Verlage miteinander aushandelten, sei immer klüger als das, was Gerichte ihnen vorschrieben, hatte VdÜ-Chef Hinrich Schmidt-Henkel im Vorfeld der Abstimmung an die Vergütungsentscheidungen des Bundesgerichtshofs (BGH) aus den Jahren 2009 und 2011 erinnert.

 

 

Der BGH hatte u.a. festgestellt, dass ein Übersetzer ab 5000 Exemplaren am Erlös der verkauften Bücher zu beteiligen sei: Bei Hardcover-Ausgaben (HC) mit 0,8% vom Nettoverkaufspreises, bei Taschenbüchern (TB) mit 0,4%. 2009 hieß es, der Übersetzer könne außerdem 50% des Verlagsanteils beanspruchen, wenn Dritten das Recht zur Nutzung der Übersetzung eingeräumt werde. Bei Verlagen ohne eigenes TB-Programm fiele darunter auch der Verkauf von TB-Rechten an einen anderen Verlag. 2011 revidierte der BGH das auf 30% vom Verlagsanteil, bei einer 60/40-Verteilung zwischen Autor und Verlag mithin 12% vom Ganzen.

 

 Die nun zwischen Übersetzerverband VdÜ und Verlagen ausgehandelte Vergütungslösung sieht dagegen u.a. vor:

Eine Absatzbeteiligung von 1% ab dem 1. Exemplar, 0,8% von 5000 bis 10.000 Exemplaren und von 0,6% ab 10 000 Stück.Die TB-Absatzbeteiligungsquote soll zwar generell nur halb so hoch wie beim HC sei, bei Original-TBs kommt jedoch der HC-Satz zum Tragen.Im Bestseller-Fall sollen Verlage über diese Absatzbeteiligungen hinaus vor Nachforderungen geschützt sein.Die Nebenrechtebeteiligung der Übersetzer wird von den 2011 vom BGH festgelegten 12% auf 5% gesenkt.

 

Hier verschiedene Kommentare zu der Einigung:

 

Hinrich Schmidt-Henkel, 1. Vorsitzender des VdÜ: „Mit dieser Vergütungsregel zeigen wir, dass eine von Sachkenntnis und gutem Willen getragene vernünftige Einigung möglich ist. Das langjährige Gezerre um die Definition von angemessener Mindestvergütung der Übersetzer ist damit einvernehmlich aufgelöst. Wir danken der Gruppe der beteiligten Verlage und gehen weiterhin auf andere Verlage zu mit der Einladung, sich der Vergütungsregel anzuschließen.“ 

 

Stephan D. Joß, Geschäftsführer des C. Hanser Verlags, München: „Ich freue mich über diese Einigung, einen Interessensausgleich, mit der die Belange der Beteiligten weit besser geregelt sind, als jedes Gerichtsurteil es könnte. Mit der Annahme der Vergütungsregel durch den VdÜ steht die Tür für weitere Verlage offen.“ 

 

Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Bereichsleiter Kunst&Kultur bei ver.di: „Wir haben hierin eine verlässliche, praxisorientierte Vergütungsregel, die ein solides Fundament geschaffen hat und einen Maßstab für alle Vertragsabschlüsse setzt.“ 

 

Die Erstunterzeichner: C. Hanser, München, Hanser Berlin und Nagel & Kimche, Frankfurter Verlagsanstalt (Joachim Unseld), Hoffmann & Campe Verlag, marebuch, Schöffling Verlag, Wallstein Verlag: "Diese Vergütungsregel verwirklicht erstmals für Literaturübersetzungen die Forderung der Urheberrechtsnovelle von 2002 nach gemeinsamen Regeln von Urhebern und Verwertern, mit denen eine angemessene Mindestvergütung definiert wird." 

 

Die Beteiligten haben die GVR bei einer Pressekonferenz am Sonntag, 30.3.2014 in Köln der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Text der Vergütungsregel ist bei der Pressestelle des Übersetzerverbandes erhältlich. 

 

Quellen: Pressemitteilung des VdÜ vom 20.3.2014 und www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/2014/03/31/keine-extrawurst-fuer-konzernverlage.htm

 

 


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