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BDÜ Hieronymuspreis 2017: Sprachexperten im Dienst des Friedens

Preisträger 2017: Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien / Verleihung bei BDÜ-Festveranstaltung zum Internationalen Tag des Übersetzens / bundesweiter Aktionstag

(Erfurt, 30. September) Bereits gestern verlieh der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) im Rahmen der Festveranstaltung im Erfurter Augustinerkloster seinen Hieronymuspreis für vorbildliche Leistungen im Bereich der mehrsprachigen Kommunikation. Die Auszeichnung erhielt in diesem Jahr der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien. Ein würdiger, unter dem Dach der UN tätiger Preisträger. Würdig umso mehr, wenn man sich die Begründung der Vereinten Nationen vom Mai dieses Jahres vor Augen führt, den 30. September offiziell zum „International Translation Day“ zu erklären: Professionelle Übersetzer, Dolmetscher und Terminologen tragen in einer global vernetzten Welt entscheidend zur Verständigung zwischen den Nationen und zum Weltfrieden bei.

Die Jury zu ihrer Entscheidung: „Mit dem Preis würdigt der BDÜ nicht nur die Organisation und deren Arbeit, sondern auch die Tätigkeit der Sprachexperten, die in den vergangenen Jahren Unglaubliches geleistet haben. Die Übersetzer und Dolmetscher arbeiteten unter anderem in neuen Gebieten des Völkerrechts, der Medizin und Forensik, an militärischen Dokumenten, den historischen Hintergründen der ethnischen Konflikte und erschütternden Zeugenaussagen.“

In seiner Begrüßungsrede zitierte BDÜ-Präsident André Lindemann mit Blick auf diese sprachlichen Meisterleistungen auch den 2004 verstorbenen Schauspieler, UNICEF-Botschafter und Präsidenten der Weltföderalisten Sir Peter Ustinov mit den Worten: „Wenn man zu viele Talente hat, endet man irgendwann als Übersetzer bei den Vereinten Nationen.“

Für die Auszeichnung bedankte sich John Hocking, Beigeordneter Generalsekretär der Vereinten Nationen und oberster Verwaltungschef des Strafgerichtshofs: „Sie zeichnen mit dem renommierten Hieronymuspreis einen Sprachendienst aus, dem eine Schlüsselrolle zukommt, wenn es darum geht, Kriegsverbrechen der Gerechtigkeit zuzuführen. Da nun im Dezember der UN Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien seine Arbeit vollbracht haben und seine Tore schließen wird, hoffe ich, dass das fachliche und moralische Vermächtnis unserer Sprachexperten weiterhin Übersetzer und Dolmetscher in der ganzen Welt inspirieren wird, noch bessere Vermittler im interkulturellen Dialog und für den Frieden zu werden.“

Nominiert für seine vorbildliche Zusammenarbeit mit Übersetzern und Dolmetschern wurde der Preisträger aus den Reihen eben dieses hauseigenen Sprachendienstes, der Conference and Language Services Section. Deren Leiterin Maja Ružić berichtete denn auch in leidenschaftlichen Worten von der oft sehr belastenden und hoch verantwortungsvollen, aber im Wissen darum, dass die Opfer Gerechtigkeit erfahren, letztlich sehr erfüllenden Arbeit der letzten 24 Jahre. Umso mehr freute sie sich auch im Namen ihrer Kolleginnen und Kollegen über die verdiente Anerkennung durch die Auszeichnung.

Die anspruchsvolle Tätigkeit des Dolmetschens, sogar in die Gebärdensprache, konnten die Zuschauer und Zuhörer bei der Verleihung live miterleben.

Der BDÜ Landesverband Thüringen hatte zum Hieronymustag ein spannendes Programm rund um das Übersetzen und Dolmetschen organisiert. Der Preisverleihung folgte – passend zum Lutherjahr – ein hochinteressanter Vortrag des renommierten Bibelexperten Professor Dr. Christoph Kähler zu den Herausforderungen eines translatorischen Mammutprojekts, in dessen Rahmen 70 Bibelwissenschaftler mehr als fünf Jahre lang mit der Überarbeitung der berühmten Lutherbibel beschäftigt waren. Ganz im Sinne des Reformators und dessen Übersetzung der Heiligen Schrift in eine allgemein verständliche deutsche Sprache wurde auch bei der pünktlich zum 500-jährigen Reformationsjubiläum erschienenen Version „dem Volk genau aufs Maul geschaut“.

Aber nicht nur in Thüringen stehen am Hieronymustag Übersetzer und Dolmetscher im Rampenlicht. Anlässlich seines 70-jährigen Bestehens stellt der BDÜ Landesverband Hessen mit der Filmreihe „drunter und drüber“ in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filmmuseum, der Weltlesebühne und dem Untertitelforum das Untertiteln und Synchronisieren in den Fokus. Auch in der Bundeshauptstadt geht es um Filmisches: Der BDÜ Landesverband Berlin-Brandenburg lädt am 4. Oktober zu einem Gesprächsabend rund um den Dokumentarfilm „Juri Elperin – Der Übersetzer“ mit dem Untertitel „Sprache ist Heimat“. Und in Mannheim wird heute um 16 Uhr der Bahnhofsvorplatz zur Bühne für einen sogenannten Freeze-Mob, der u. a. mithilfe des Hashtags #iconnectworlds in den Sozialen Medien mitverfolgt werden kann. Wie bei allen Aktionen und Veranstaltungen des BDÜ ist auch hier das Ziel, die Berufe bei einem breiten Publikum bekannt zu machen.
www.hieronymustag.de

Über den Preisträger
Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien
International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia (ICTY)

Aufgabe des 1993 auf Basis der Resolution 827 der Vereinten Nationen gegründeten Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien ist es, den Kriegsopfern eine Stimme zu geben und Kriegsverbrecher zur Rechenschaft zu ziehen. Der ICTY ist das erste von der UNO etablierte Strafgericht für Kriegsverbrechen und steht in der aufklärerischen Tradition der Nürnberger Prozesse, die wiederum als Geburtsstunde des Simultandolmetschens gelten. Die Bedeutung der Sprachexperten für diese Arbeit ist unübersehbar: Beim ICTY waren seit Bestehen der Behörde durchschnittlich 10 % der Mitarbeiter mit Dolmetschen und Übersetzen beschäftigt und kamen dabei auf beachtliche 79 000 Stunden Simultandolmetschen und rund eine Million übersetzter Seiten.
www.icty.org 
www.icty.org/en/about/registry/translation-and-interpretation
Dankesrede Mr. John Hocking (Englisch): http://tinyurl.com/ydyml5vz

Über den BDÜ Hieronymuspreis
Gelungene Kommunikation in mehreren Sprachen ist ein Erfolgsfaktor für Unternehmen und bei internationalen Organisationen von elementarer Bedeutung. Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer hat deshalb 2012 den Hieronymuspreis aus der Taufe gehoben und vergibt diesen seither jährlich für vorbildliche Leistungen im Bereich der mehrsprachigen Kommunikation. Bei der Auswahl des Preisträgers steht nicht nur das „Was“ im Fokus, also die Sprachdienstleistung selbst, sondern auch das „Wie“, d. h. die Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen Übersetzern und Dolmetschern und dem Auftraggeber. Über die Jahre und durch die unterschiedlichen Preisträger entsteht so ein Positivbild, sozusagen die Best Practices, für die vom BDÜ vertretenen Berufe.
Der Name des Preises geht zurück auf den Heiligen Hieronymus, der als Schutzpatron der Übersetzer gilt.
www.hieronymustag.de

Über den Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ):
Der BDÜ ist mit mehr als 7500 Mitgliedern der größte deutsche Berufsverband der Branche. Er repräsentiert etwa 80 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland und setzt sich seit 1955 für die Interessen seiner Mitglieder sowie des gesamten Berufsstands ein. Der BDÜ Landesverband Thüringen ist seit seiner Gründung 1993 als eigenständige Berufsvertretung unter diesem Dach für seine Mitglieder aktiv.

Eine BDÜ-Mitgliedschaft stellt ein Qualitätssiegel für professionelle Leistungen im Übersetzen und Dolmetschen dar, da eine Aufnahme in den Verband nur mit entsprechender fachlicher Qualifikation möglich ist.

Die als Kommunikationsexperten bundesweit für mehr als 80 Sprachen und eine Vielzahl von Fachgebieten gefragten BDÜ-Mitglieder sind in der Online-Datenbank auf der Verbandswebsite schnell und einfach zu finden. Eine Suche speziell für Thüringen gibt es auf der eigenen Landesverbandswebsite.

Download Medieninformation (Deutsch)

Download Medieninformation (Englisch)

Fotos zur Festveranstaltung finden Sie in unserer Bildergalerie.


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