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Wer versteht mich, wenn ich krank bin?

(Berlin, 23. Juni 2016) Um die Erfordernisse professioneller Sprachdienstleistungen bei Gesprächen mit und der Behandlung von Patienten ohne Deutschkenntnisse weiter ins Bewusstsein der verantwortlichen Akteure, insbesondere in der Politik, zu rücken, lud die vom BDÜ mitbegründete Initiative „Sprachmittlung im Gesundheitswesen“ am 22. Juni 2016 zu einem Parlamentarischen Abend in die Landesvertretung der Freien und Hansestadt Hamburg.

Eröffnungssprecherin Prof. Dr. Rita Süssmuth, langjährige Präsidentin des Deutschen Bundestages, betonte in ihrer Rede die Verantwortung der Gesellschaft für das Gelingen von Integration, sowohl von Seiten derjenigen, die in Deutschland Zuflucht suchen oder sie bereits gefunden haben, als auch seitens der Aufnehmenden. „Dafür braucht es ein Mehr von allem, von professioneller Sprachmittlung, von Landsleuten mit entsprechender Weiterbildung, von digitalen Lösungen. Ohne sprachliche Kompetenz, ohne Dolmetscher geht es nicht“, sagte sie. Wie hierfür insbesondere im Gesundheitswesen die politischen Rahmenbedingungen verbessert werden können, war Thema der vertieften, von Experten aus Medizin, Psychotherapie und IT-Branche mit Gesundheitspolitikern geführten Diskussionen.

Ein Kind, das seiner Mutter oder seinem Vater eine schwierige Diagnose in der eigenen Sprache übermitteln muss, ist wahrscheinlich das Musterbeispiel dafür, wie es nicht laufen sollte. Aber auch mehr oder minder zweisprachiges Pflege- und Krankenhauspersonal oder gar bilinguale Ärzte sind im Prinzip nur ein Notbehelf, wenn es um Leib und Leben von Patienten geht, die kein oder nur wenig Deutsch verstehen und sprechen. Eine für alle Seiten sowohl rechtssichere als auch fachlich und medizinisch zielführende Diagnose und Therapie ist nur mit professionellen Sprachdienstleistern gewährleistet. Qualifizierte Medizindolmetscher haben eine idealerweise mehrjährige Ausbildung durchlaufen und sind daher den speziellen fachlichen, sprachlichen und kulturellen Herausforderungen in diesen Situationen gewachsen.

Am Abend vorgestellte Lösungsansätze zeigen aber auch, dass der Einsatz von professionellen Dolmetschern im Gesundheitswesen zur Sicherung der Qualität und zu einer Kostenersparnis beiträgt und gleichzeitig die Sicherheit für Patienten und Mitarbeiter erhöht.

Da auch dem Berufsverband die Kostenproblematik durchaus bewusst ist, bietet er gemeinsam mit anderen Beteiligten zufriedenstellende Lösungen, durch fachliche Aus- und Weiterbildung oder in der Anwendung neuester Technologien wie dem Videodolmetschen, wo dies sinnvoll ist. Dennoch betont auch die für das Ressort Dolmetschen verantwortliche BDÜ-Vizepräsidentin Monika Eingrieber immer wieder, dass ein ehrenamtliches und nicht oder nur minimal honoriertes Engagement von Laiensprachmittlern oder gar Familienangehörigen nicht zu diesen Lösungen gehören kann. Der Fachverband fordert dringend eine gesetzliche Verankerung sowohl der Mindestanforderungen an die Qualifikation der Sprachdienstleister als auch der Honorare. Ähnlich dem Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG) für Gerichtsdolmetscher empfiehlt er eine Regelung, die neben den finanziellen Bedingungen auch die Qualifizierungskriterien festschreibt, beispielsweise gemäß der ISO-Norm für das Dolmetschen im Gesundheits- und Gemeinwesen (ISO 13611:2014-12).

Als größter deutscher Berufsverband der Branche mit mehr als 7500 Mitgliedern, für deren Aufnahme strenge Kriterien hinsichtlich der beruflichen Qualifikation gelten und die sich einem eigenen Berufs- und Ehrenkodex verpflichten, unterstützt der BDÜ Initiativen wie diese, die zu einem qualitativ hochstehenden und den unterschiedlichen Anforderungen genügenden Angebot an Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen beitragen sollen. In diesem Sinne setzt er sich auch für entsprechende Studiengänge sowie Ausbildungs- und Abschlussmöglichkeiten an den einschlägigen Hochschulen und Fachinstituten ein.

Über den Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.:

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) ist mit über 7500 Mitgliedern der größte deutsche Berufsverband der Branche. Er repräsentiert etwa 80 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland und vertritt seit 1955 deren Interessen. Eine BDÜ-Mitgliedschaft steht für Qualität, denn alle Mitglieder müssen vor Aufnahme in den Verband ihre fachliche Qualifikation für den Beruf nachweisen. Die Mitgliederdatenbank im Internet hilft bei der Suche nach Dolmetschern und Übersetzern für mehr als 80 Sprachen und zahlreiche Fachgebiete.

Die Initiative „Sprachmittlung im Gesundheitswesen” ist ein Zusammenschluss von Verbänden und Organisationen aus den Bereichen Gesundheitssystem, Patientenschutz, Soziales und Sprachmittlung. Mit dieser Initiative möchten die Träger gemeinsam auf den akuten Bedarf an professionellen Dolmetschleistungen sowie Sprach- und Kulturmittlung im Gesundheitswesen aufmerksam machen.

Bildlegende:
v.l.n.r.: Herr André Lindemann (BDÜ), Herr Gabriel Gerlinger (DGPPN), Frau Meryam Schouler-Ocak (DGPPN/DTGPP), Herr Prof. Dr. Edgar Franke MdB, Frau Varinia Fernanda Morales (bikup), Herr Rudolf Henke MdB, Frau Maria Klein-Schmeink MdB, Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Rita Süssmuth, Herr Manfred Kindler (KKC), Herr Dr. Hubert Koch (Initiative Sprachmittlung im Gesundheitswesen), Frau Catherine Stumpp (BDÜ), Frau Monika Eingrieber (BDÜ), Herr Dr. Dietrich Munz (BPtK)

Foto: Initiative „Sprachmittlung im Gesundheitswesen"

Abkürzungen:

  • BDÜ = Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.
  • DGPPN = Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde
  • DTGPP = Deutsch-Türkische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosoziale Gesundheit e.V.
  • bikup = Internationale Gesellschaft für Bildung Kultur, Partizipation gemeinnützige GmbH
  • KKC = Krankenhaus-Kommunikations-Centrum e.V.
  • BPtK = Bundespsychotherapeutenkammer

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